Das „Bürgermeisterhaus“ aus Wildendürnbach Nr. 26 taucht 1720 zum ersten Mal im Grundbuch der Herrschaft Falkenstein auf. Damals wurde es von der Familie Erdtman bewohnt. Ab 1776 gehörte es der Familie Sumer.

Um 1900 lebten hier das Ehepaar Stöger mit ihren Kindern Franz und zwei Mädchen. Ab 1936 bewirtschaftete Theresia Stöger den Hof allein und vererbte diesen 1971 an eine Nichte.

Mag. Marianne Messerer, Peter Huber und Walter Lauer graben durch ihre Recherchen Geschichten aus, die die Menschen dieses Hauses wieder lebendig erscheinen lassen.

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Eine davon ist eine Familientragödie: Die Geschichte des kleinen Franzi Stöger.

Der 13 jährige Franzi war als Hoferbe vorgesehen.  Seine beiden Schwestern würden sich vielleicht einst verheiraten und wegziehen.

Es war zu Beginn der Ferien 1913. Franzi durfte mit dem Pferdeknecht ausfahren. Als der Knecht kurz ins Wirtshaus wollte, sollte der Bub auf das Gespann aufpassen. Ein paar Dorfburschen, albern und übermütig, begannen Gespann und Pferde mit kleinen Kieselsteinen der Dorfstraße zu bewerfen, um Franzi zu ärgern.

Die Steine schienen die Pferde so aufgeschreckt zu haben, dass sie durchgingen. Auf den plötzlichen Ruck des Wagens nicht gefasst, stürzte der Bub vom Wagen und brach sich dabei das Genick .

CIMG0406Der Tod ihres einzigen Buben muss die Eltern so getroffen haben, dass sie ihrem Kind ein  Denkmal setzten. Es steht noch heute in Wildendürnbach, am Beginn des Dorfangers, nur wenige Meter vom alten Standort des Hauses entfernt.

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CIMG0410Die kleine Bildsäule gibt kaum Auskunft über den Anlass ihrer Entstehung. Eine Marien-Darstellung, eine Tafel mit Namen und Jahreszahl und eine Fotografie des Kindes  sind der einzige Hinweis. Links und rechts der Säule stehen zwei Eiben, traditionellen Lebensbäume, wie sie auch in Friedhöfen zu finden sind.

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CIMG0403Kaum jemand in Wildendürnbach weiß noch von dieser Tragödie oder was die kleine Bildsäule zu bedeuten hat, oder welchen Schmerz sie bei den Eltern verursacht hat.

Bei den Nachforschungen ist dem Museumsteam auch ein Foto von Franzi Stöger zur Verfügung gestellt worden, dasselbe Bild, das auch auf der Stele zu sehen ist.

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Seit kurzem ist eine Reproduktion im Bürgermeisterhaus ausgestellt, um an die Tragödie, die dieses Haus einst erschütterte, zu erinnern.

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