Winterzeit ist Restaurierungszeit. Nicht nur für Peter Huber, auch Karl Kadiurek und Jochen Müller richten Exponate her.

Zur Zeit arbeiten sie an den Fahrzeugen. Seit 1 1/2 Wochen werkelt Karl an einem Steirerwagerl, quasi dem VW-Golf der Niederösterreichischen Bauern des vorigen Jahrhunderts.

Erst wird der Wagen gewaschen und dann komplett zerlegt, denn Holz und Eisenteile müssen  gesondert behandelt werden.

Dann muss der Rost weg. Karl bürstet und schleift alle Eisenteile. Damit der Rost keine Chance mehr hat, wird das Metall dreifach behandelt.

Kriechöl verscheucht in einem ersten Schwung das Oberflächenwasser, es „kriecht“ in alle Ritzen und Fugen und verdrängt das zerstörerische Wasser.

Der nächste Anstrich wird mit Penetrieröl durchgeführt. Das dringt auch in die Poren des Eisens. Hier arbeitet Karl gerade an der vorderen Deichsel des Steirerwagerls.

Würde man es mit diesen beiden Anstrichen belassen, wäre das Öl bald wieder aus dem Metall ausgeschwemmt. Also müssen die Eisenteile noch versiegelt werden. Das passiert mit einem ganz bestimmten Wachs. Es bildet zum Abschluss eine praktikable und leicht glänzende Schutzschicht.

Um alle Stellen zu erreichen muss Karl den Wagen bis in die kleinsten Teile zerlegen, Schraube für Schraube. Auf seinem Arbeitstisch liegt ein wahrer Berg von Kleinteilen, die er alle wieder zu einem funktionierenden Gefährt zusammenbauen muss. Doch Karl macht sich keine Sorgen. Wichtig ist es nur, sagt er, dass man beim Zerlegen ganz genau aufpasst. Karl ist es gewohnt, Maschinen auseinanderzunehmen und  herzurichten. Das ist auch seine private Leidenschaft.

Trotzdem machen ihm die einen oder anderen Teile ganz schön Ärger. Wegen dieser Wagenfederung hat er heute schon geflucht, schmunzelt Karl. Denn die einzelnen Stahlstreifen sind auf  Zug zusammen-geschraubt, sonst würden sie den Wagen ja nicht abfedern. Um sie nach dem Einölen wieder zusammen zu stecken hilft nur viel Kraft und ein Schraubstock.

Doch jetzt hat es Karl geschafft. Die Federung wird er demnächst an die hintere Wagenachse montieren.

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A Propos montieren:  Genau da beginnt schon der Spaß, denn die alten Wagen können oft gar nicht mit herkömmlichem Werkzeug bearbeitet werden. Wir arbeiten zur Zeit mit metrischen Systemen, das heißt, Schraubenschlüssel und Schrauben werden in Zentimeter und Millimeter-Einheiten gefertigt.

Aber das war nicht immer so. Früher wurde Jahrhunderte lang in  Zoll gearbeitet. Erst um 1900 stellte man sich langsam auf das heute gültige System um. Um die alten Schrauben und Muttern zu lösen sind wir darum auf das Werkzeug von damals angewiesen. Zum  Glück haben wir in unserer Sammlung genug davon. Und dieses Werkzeug nimmt daran auch keinerlei Schaden. Es war oft von den Dorfschmieden selbst hergestellt und weitaus massiver gebaut als unser modernes Werkzeug. Karl zeigt so einen alten Schraubenschlüssel aus unserer Schmiede, den er hier gut gebrauchen kann.

Dann schaut unser Experte Peter Huber vorbei. Die beiden fachsimpeln übers Restaurieren und Karl erzählt von seiner Arbeit am Wagen.

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Nach den Eisenteilen wird er nun  das Holz behandeln. Zuerst wird es mit Borsäure eingestrichen. Das schmeckt vor allem den zahlreichen Holzwürmern nicht. Dann wird das  Holz aufgefrischt. Dazu nimmt er mit Terpentin verdünntes Leinölfirnis. Das Öl macht das ausgetrocknete Holz wieder „fett“ und schützt es vor Witterungseinflüssen. In einer halben Woche will Karl fertig sein.

Dann wird der alte Wagen wieder im neuen Glanz erstrahlen.

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