Wenn sie unser Museumsdorf betreten, sehen Sie als eines der ersten Gebäude die „Georgskapelle“.

Dieses Gebäude passt gut an den Beginn eines Weinviertler Dorfes, war doch der Hl. Georg  ein wichtiger Patron der Bauern und sein Namenstag am 23. April ein bedeutender Lostag.

1987 wurde diese Kapelle, die ursprünglich aus Obersteinabrunn (Bezirk Hollabrunn) stammt, hier wieder aufgebaut.

Doch ohne Altarbild, einer klassischen Darstellung des Hl. Georg auf dem Pferd mit Drachen und Speer. Denn das Bild verblieb in der Gemeinde Obersteinabrunn und wurde dort in der neu aufgebauten Kapelle als Altarbild aufgehängt.

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Die Georgskapelle in Niedersulz erhielt als Altarbild eine Kopie des Gnadenbildes von  Maria Taferl .

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Damit war die Georgskapelle jahrelang ohne ihren eigentlichen Namenspatron.

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Im Zuge ihrer Hausforschung machten sich unsere beiden Mitarbeiter Mag. Marianne Messerer und Walter Lauer auf nach Obersteinabrunn, um den Spuren der Kapelle nachzugehen.

Dort trafen sie Franz Freudentaler, den ehemaligen Ortsvorsteher von Obersteinabrunn, der seit jeher für die kleine Dorfkapelle zuständig ist und sich noch gut an den Abbau vor über 20 Jahren erinnern kann.

Das Kirchlein stammte aus dem 19. Jahrhundert und sank immer stärker unter das Straßenniveau. Auch die allgemeine Baufälligkeit sprach für einen Neubau.

Also folgte der Entschluss, die Kapelle ins Museumsdorf zu übertragen und eine neue aufzubauen.

Franz Freudentaler hatte Fotos von der alten Kapelle und von ihrem Abbau aufgehoben, die er Mag. Marianne Messerer und Walter Lauer zur Verfügung stellte.

Hier sieht man gerade den Abtransport des Glockenturmes, eines sogenannten „Dachreiters“, einer Holzkonstruktion, die mit Blech beschlagen ist.

Dann wurde auch die neue Kapelle besichtigt: Das Georgsbild hat hier einen würdigen Platz als neues Altarbild erhalten.

Es ist nämlich ein ganz besonderes Bild: Es wurde von Eduard Klieber geschaffen, der 1803 bis 1879 in Wien lebte und wirkte. Er war Maler und Lithograph und der Sohn des berühmten Bildhauers Joseph Klieber.

Walter Lauer durfte das Bild fotografieren. Die gewählte hohe Auflösung bietet uns die Möglichkeit,  Das Bild  in der Georgskapelle zu präsentieren. In welcher Form das passieren könnte, wird der Fachbeirat des Museumsdorfes entscheiden.

Warum ist dieses Bild für uns so wichtig?

Der Hl. Georg war wie schon erwähnt, ein wichtiger Patron der Bauern.

Sein Kult reicht zurück bis ins 4. Jahrhundert. Er war ein angesehener Reitersmann in römischen Diensten und dürfte um 303 aufgrund seines Glaubens gefoltert und enthauptet worden sein.  Er wird in vielen Ländern sehr verehrt. Er ist Patron der Ritterorden, der Pfadfinder, Soldaten, Reiter, Sattler, Schmiede und Bauern. Bauer heißt auf giechisch „georgos“, das Land Georgien bedeutet „das Bauernland“.  Darum ist der Hl. Georg auch der Patron des Viehs und der Pferde. Zum überlieferten Volksbrauchtum gehören darum Pferdesegnungen und Georgi-Ritte, Märkte und Umzüge zu seinem Namenstag am 23. April.

Dieser Tag bestimmte als Lostag auch das Bauernleben: Am 23. April begann das Arbeitsjahr auf dem Bauernhof, an diesem Tag wurden die letzten Dienstboten für das Jahr eingestellt und es war ein Abgabentag für die Herrschaft.

Die Bedeutung reicht bis in unsere Zeit. Das beweist auch eine Fahne der Landjugend Laa, die bis heute den Hl. Georg führt.

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