Ich hab Euch beim letzten Blog über das Handwagerl einen Exkurs über die Herstellung eines Holzrades versprochen:

Wie gesagt, das Wagenrad ist die Meisterleistung eines Wagners. Warum? Das bekam Peter Huber bald  zu spüren, vor allem weil die kleinen Räder viel unflexibler sind, als ihre großen Brüder.

Als erstes sind die Teile des Radkranzes  zu fertigen. Peter Huber macht sie aus Buche, das ist schönes und stabiles Hartholz.

In unserem Fall besteht ein Radkranz aus vier Einzelteilen.

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Bei größeren Rädern kann er aus sechs oder mehr Einzelkomponenten bestehen, denn die Konstante sind die Speichen:

Nur zwei Speichen pro  Kranz-Teil, sonst kann das Rad unmöglich zusammengebaut werden.

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Hier, dieses altes Rad aus unserer Sammlung in der Wagnerei besteht aus sechs Kranz-Teilen. Wenn ihr genau schaut, erkennt ihr die Fugen; oder ihr zählt die Speichen ab.

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Dann fertigt Peter Huber die Speichen aus Eschenholz. Der einfachheits-halber sind sie rund gedrechselt. Die Ränder sind etwas abgesetzt, um sie in Radkranz und Nabe einzupassen.

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Bei alten Wagenrädern wurde allerdings ein ovaler Querschnitt verwendet.

Zum ersten sind rechteckige und ovale Querschnitte stabiler als quadratische und runde,

zum zweiten können sie sich so den geringen Platz in der Nabe besser teilen

– auf diesem Bild aus der Wagnerei (© Reinhard Holl) gut erkennbar.

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Das dritte Grund-Element des Rades ist die Nabe.

Da hier Stabilität besonders wichtig ist, verwendet Peter Huber  hartes  Eichenholz.

Nun muss nur noch alles zusammengebaut werden. Doch das hört sich leichter an, als es ist.

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Denn die Speichen müssen gleichzeitig in  Nabe und  Radkranz eingepasst werden.

Steckt man die Speichen zuerst in die Nabe, stehen die Enden zu weit auseinander um in den Radkranz-Teil zu passen. Steckt man die Speichen zuerst in den Radkranz, stehen die Naben-Enden ineinander. Also muss Peter Huber alles gleichzeitig zusammen stecken. Die kleinen Einzelteile haben aber – im Gegensatz zu einem großen Rad, kaum Spiel. Ohne ein wenig Gewalt geht da nichts, meint Peter. Ob die alten Wagner damals einen besonderen Trick hatten? Tja, genau dieses Wissen geht mit dem Aussterben des Handwerks verloren.

So, endlich geschafft. Dass die Speichen ein wenig über den Radkranz hinaus ragen, ist gewollt. So kann keines zu kurz sein und alle Speichenenden  werden später  plan mit dem Radkranz abgeschnitten.

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Damit später nichts wackelt, werden nun  Keile mitten durch die Speichen geschlagen, um die Enden auseinander zutreiben und fest mit dem Radkranz zu verbinden.

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Dann werden die Speichen-Enden samt Keilen abgeschliffen.

Damit sich die Radkranzteile nicht gegeneinander bewegen, werden sie ebenfalls mit kleinen Metall-Dreiecken verkeilt.

Alle diese Kniffe hat Peter Huber mit der Zeit bei alten Wagnermeistern aufgeschnappt, aber noch nie selbst ausprobiert.

Nun wird außen der ursprüngliche Metall-Reifen  aufgezogen. Auch rund um die Nabe kommen die beiden originalen Eisenbänder.

Sie passen wie angegossen.

Eh klar, Peter Huber hat jedes einzelne Rad an die alten Eisenteile angepasst. Das erforderte besondere Tüftelei, da jeder Reifen anders war.

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Das neue Rad sitzt perfekt auf dem Wagen.

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Peter Huber kann stolz auf sein Meisterwerk sein.

Außerdem hat er dabei viel für seine Arbeit in der Wagnerei des  Museumsdorfes gelernt.

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Noch etwas unklar  ?

Ab 23. April, wenn wir wieder geöffnet haben, können Sie Peter Huber in seiner Wagnerei gerne nach Herzenslust ausfragen.

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