Das Wirtshaus aus Poysdorf, das aus dem Jahr 1812 stammt,  steht seit 1983 im Museumsdorf und war an seinem Originalstandort einst ein beliebtes Ausflugsziel der Poysdorfer. „Auf der Alm“ nannte man damals das Gelände um das Wirtshaus, um das sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein kleines Freizeitzentrum etabliert hatte mit zwei Kegelbahnen, einem Salettl, dem ersten Poysdorfer Freibad und Eislaufmöglichkeiten im Winter.

Bis vor kurzen war dieses Wirtshaus, genauso wie viele andere Gebäude im Museumsdorf nur bei Führungen zu betreten.

Mit dem Bürgermeisterhaus hatte im Frühjahr die Öffnung der Häuser begonnen. ab jetzt ist auch das Wirtshaus aus Poysdorf  jederzeit geöffnet.

Im Innern des Gebäudes ist gut die damalige Wirtshauskultur erkennbar: Stammgäste der Gasthäuser waren die männlichen Dorfbewohner, die am Nachmittag ihre Geschäfte bei einem Krügel Bier oder einem Glas Wein abschlossen. Mahlzeiten gab es nur in großen Wirtshäusern mit Fleischerei. In kleineren Gasthäusern bekam man nur Getränke wie Bier, Wein, Zitronen- oder Himbeerkracherl.

Kutscher, Knechte, Wallfahrer und kleine Händler nutzten die Bänke der Gaststube als einfaches, billiges Nachtlager. Dann ließ der Wirt das Schankgatter herunter: Dadurch waren die Getränke im Schankraum vor unbefugtem Zugriff sowie Gläser und Flaschen vor Bruch bei Raufereien geschützt.

Das alltägliche Wirtshausleben spielte sich in der Gaststube ab, Extrazimmer und Saal wurden nur an Kirtagen und bei Bällen im Fasching, später auch für Totenmahle und Hochzeiten benötigt. Dann durften auch Frauen und Mädchen das Wirtshaus besuchen.

Im Extrazimmer hielt die Gemeindevertretung ihre Sitzungen ab bzw. sammelte der Sparverein die Beiträge ein. Hier ist eine Geschäftsstelle der Raiffeisenkasse dargestellt. Die von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gegründete Selbsthilfeorganisation für Bauern ist seit 1886 in Niederösterreich vertreten.

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