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Lange Zeit hing unbeachtet im Bürgermeister-Zimmer des Bauernhofes aus Wildendürnbach ein ganz besonderes Bild.

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Es zeigt den alten Kaiser Franz Josef auf einer Treppe unter einem riesigen Baldachin, umringt von zahlreichen Menschen, die ihm huldigen.

Durch die Sanierung und Aufarbeitung der Geschichte des Hauses kam auch dieser Kunstdruck plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses.

Doch keiner kannte weder den Sinn noch den Maler des Bildes.

Doch zum Glück sind unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Geschichte beschlagen: Mag. Marianne Messerer erinnerte sich, dieses Motiv schon einmal im Heeresgeschichtlichen Museum gesehen zu haben. Also wurde flugs Dr. Walter F. Kalina, der Referats-Leiter für Sammlung & Ausstellung des Museums kontaktiert. Damit hatte man genau ins Schwarze getroffen, Dr. Kalina konnte ausführlich Antwort geben.

Das Originalbild ist von Ludwig Koch (1866-1934) und hängt im Wien Museum, das Heeresgeschichtliche Museum besitzt eine Kopie davon.

Laut Dr. Kalina ist das Gemälde (hier eine Fotografie von Walter Lauer) nichts anderes als ein Beispiel der habsburgischen Propaganda im Ersten Weltkrieg, es lehnt sich dabei an den Typus der barocken Herrscherverherrlichung an. Besonders typisch für den barocken Typus sind die schräg in die Komposition hineinführende Treppe und der mächtige Baldachin, unter dem der Herrscher steht. Bei diesem Bild handelt es sich um eine monumentale Allegorie auf die „Dankbarkeit“ des Herrschers, in diesem Falle des 85jährigen Kaiser Franz Josephs, gegenüber der Leistungen des Volkes und der Armee. Kaiser Franz Joseph selbst reicht einem verwundeten Soldaten die Hand, zum Zeichen seiner Opferbereitschaft.

Gehuldigt wird er von Soldaten, Müttern, Großmüttern, ganz links im Hintergrund Soldaten aller Kategorien der Kavallerie: Berittene Landwehr, Ulane, Dragoner und Husar (von links nach rechts). In der Mitte des Vordergrundes werden Gold und Juwelen dargebracht, hier haben sie den Sinn „Gold gab ich für Eisen“ ganz richtig verstanden. Es soll hier vor allem die Spendenbereitschaft von Edelmetall aus der Bevölkerung thematisiert werden, dies ist gleichzeitig als Dank und als Aufruf zu verstehen.

Rechts von vorne nach hinten sind ein österreichischer und ein ungarischer Infanterist dargestellt, dahinter ein Marinesoldat.

Damit sind eigentlich alle wesentlichen Träger der Monarchie dargestellt, was wiederum den Zusammenhalt allen Volkes und aller Klassen manifestieren soll.

Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museumsdorfes ist es immer wieder faszinierend, welch spannende Ergebnisse ihre Recherchen ergeben und wieviel Geschichte einem einzigen Einrichtungsgegenstand innewohnen können

Dieses neue Wissen über das Bild „Kaisers Dank“ kann somit zukünftig  in eine Führung durch das „Bürgermeister Haus“ einfließen.

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