Frühjahrsblüher

Magdalene Papp, Kulturvermittlerin und ehrenamtliche Mitarbeiterin im Museumsdorf

Für die Darstellung eines idealtypischen Weinviertler Dorfes um 1900 ist der dörfliche Grünraum mit seinen Vor- und Gemüsegärten, Weingärten und anderen Pflanzenbereichen ebenso wichtig sind wie die Bauernhöfe, Werkstätten und Kapellen. Deshalb möchten wir Ihnen anlässlich des Ehrentags der Pflanze am 13. April einige Frühjahrsblüher aus dem Museumsdorf vorstellen.

(c) Museumsdorf

Alle Gärten und Grünflächen im Museumsdorf werden nach den Kriterien von „Natur im Garten“ ohne chemisch-synthetische Pestizide und Dünger und ohne Torf gepflegt. Dabei geht es auch um „die Förderung der Artenvielfalt mittels vielfältiger Naturgartenelemente“, also beispielsweise die „Erhöhung der Pflanzenvielfalt durch Pflanzung heimischer oder ökologisch wertvoller Arten oder Maßnahmen, mit denen Nützlinge und Artenvielfalt gefördert werden (z.B. Nützlingshotels, besondere Lebensbereiche, heimische Pflanzen…)“. Als „besonderer Lebensbereich“ zählt wohl auch die Hecke entlang des Hauptweges vom Museumsportal Richtung Dorfplatz.

(c) Museumsdorf

Als Beispiel für die verschiedenen Sträucher, die hier Insekten, Vögeln und Nagern als Rückzugsraum oder Futterquelle dienen, wollen wir einen Strauch näher vorstellen:

Kornelkirsche (Cornus mas)

Der auch Dirndl genannte Strauch blüht als einer der Ersten und ist neben dem Palmkätzchen eine beliebte Nahrungsquelle für Wildbienen. Auch uns Menschen bringt sie Nutzen, nicht nur in Form des Dirndlschnapses. Ihre starken Heilkräfte –

blutreinigend, entzündungshemmend und ein echter Vitaminspender – wurden von der Volksmedizin gerne genutzt. Aus Blättern, Knospen und Rinde machte man Wundsalben bei Verletzungen, vor allem aber Beinsalben gegen Krampfadern.

Dirndl-Blüte (c) Museumsdorf

Für Salbenrührerinnen: 60 g Wollwachs oder Lanolin anhydr. erwärmen, je 10 g Mandelöl und 10 g Jojobaöl (ist eigentlich ein Wachs) einrühren, 20 g Kornel-Tinktur (ein hochprozentiger Alkoholauszug von Blüte, Blatt und Rinde, den man zuvor schon hergestellt hat) zufügen, kalt rühren.

Der Blätter-, Knospen- oder Rindentee war ein Mittel gegen Gastritis, Fieber und Durchfallerkrankungen, die frischen Früchte galten als Heilnahrung bei Magen- und Darmentzündungen.

Gänseblümchen (Bellis perennis)

Das zarte Blümchen kennen wir alle, es wächst im Museumsdorf im ganzen Gelände. In einem milden Winter wie heuer blüht es ganzjährig, aber nur wenn die Sonne scheint.

Gänseblümchen (c) Museumsdorf

In der Wildkräuterküche ist das Gänseblümchen am Gründonnerstag ein unverzichtbarer Bestandteil der 9-Kräutersuppe in Kombination mit Brennnessl, Giersch, Gundelrebe, Knoblauchrauke, Löwenzahn, Scharbockskraut, Vogelmiere und Bärlauch. Falls nicht all diese Zutaten gefunden werden, behelfen wir uns mit Petersilie und Schnittlauch. Wir rösten eine feingeschnittene Zwiebel in Butter an, geben ein oder zwei kleinwürfelig geschnittene Erdäpfel dazu, braten weiter, gießen mit Suppe auf und kochen weich. Eine Handvoll der Kräutermischung schneiden wir klein, mixen oder pürieren mit etwas Öl und 2 El Sauerrahm und geben diese Mischung in die pürierte Suppe. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, ev. Knoblauch und mit einem El Schlagobers schaumig aufmixen. Guten Appetit!

In der Volksmedizin hatte die Kombination der Inhaltstoffe (Saponine, ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide, Schleim, Anthoxanthin) ein reiches Anwendungsgebiet: bei Erkrankung der Atemwege, Magenbeschwerden, Darmentzündungen und Rheuma sowie äußerlich bei Verletzungen und schlecht heilenden Wunden. Die im Gänseblümchen enthaltenen Gerbstoffe regen die Verdauungssäfte in Magen, Galle und Leber an, wirken gleichzeitig blutreinigend und entzündungshemmend.

Tulpe (Tulipa gesneriana)

Spaziert man weiter durch das Museumsdorf, kommt man auf die Dorfzeile mit den Vorgärten von Waidendorfer Hof, Sattlerhaus und Bürgermeisterhaus, wo im Spätherbst Tulpenzwiebeln gesetzt wurden. Die kleinen Wildtulpen leuchten schon in Rot und Gelb, die eleganten großen Varianten in vielen Farbschattierungen brauchen je nach Witterung noch einige Zeit.

Vorgarten des Weidendorfer Hofes(c) Museumsdorf

Der Siegeszug der Tulpe begann in Wien Mitte des 16. Jahrhunderts, als der Gesandte der Habsburger das Saatgut einer Blume, die in den Palästen von Sultan Süleymann in Konstantinopel als Symbol von Fruchtbarkeit und Lebensfreude verehrt wurde, mit nach Wien brachte. Von dort aus verbreitete sich das Juwel später in den Niederlanden, wo in dem wirtschaftlich „goldenen Zeitalter“ der Niederländer im 17. Jahrhundert die exotische „Tülbent“ zu Höchstpreisen gehandelt wurde. Eine Tulpenzwiebel erzielte 5.500 Gulden, während Rembrandts Gemälde „Die Nachtwache“ seiner Zeit 1.600 Gulden wert war. Im Jahr 1636 platzte die Spekulationsblase an der Börse und das Tulpenfieber fand ein jähes Ende.

Die Tulpe (Tulipa gesneriana) ist in allen Teilen wie Zwiebeln, Blättern, Blüten und Stielen schwach giftig, da emetinhaltig, wodurch Brechreiz erzeugt wird. In der alten Volksheilkunde soll der frische Zwiebelbrei auf Geschwüre gelegt worden sein. In der Homöopathie werden alkoholische Pflanzenauszüge bei rheumatischen Erkrankungen und Entzündungen der Schleimhäute verwendet.

Tulpenpracht (c) Museumsdorf

„Palmkätzchen“ – Silber-Weide (Salix alba)

Die Weiden brauchen feuchten Boden und viel Sonne, weshalb sie im Museumsdorf an der Dorfzeile am Ufer des Sulzbaches an der Dorfzeile und am Mühlenteich bei der Hofmühle aus Walterskirchen wachsen.

Palmkätzchen (c) Museumsdorf
Kopfweiden am Mühlenteich (c) Museumsdorf

Die Pflanze dient ganz unterschiedlichen Zwecken: Die Blüten bieten den Bienen mehr als ausreichend Nahrung an Pollen und Nektar, daher werden sie unter dem Sammelnamen „Bienenweidepflanzen“ zusammengefasst.

Früher gewann man aus der Weide Salicin, jene Substanz, aus der Aspirin entwickelt wurde, das am häufigsten verwendete Schmerzmittel der Welt.

Im dörflichen Umfeld waren und sind die Weiden wichtiger Lieferant für die Korbflechter: die zweijährigen biegsamen Zweige werden übertrocknet und dann gewässert, damit man sie besser schälen und weiterverarbeiten kann.

Zurück zu Ostern, wo die Palmkätzchen aufgrund ihrs Namens eine wichtige Rolle als Ersatz für die biblischen Palmzweige spielen, die die Leute dem einreitenden Heiland beim Einzug in Jerusalem zu Füßen streuten. In Ermangelung heimischer Palmzweige wurden schon im 15. Jahrhundert die Weidenzweige mit ihren Palmkätzchen von der Kirche ersatzweise anerkannt. Die bei der Messe geweihten „Palmen“ wurden und werden dann zu Hause hinter die Bilder im Herrgottswinkel oder in die Felder und an die Raine als Schutz vor Blitz und anderem Unheil gesteckt.

 

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