Die neue Bibliothek des Weinviertler Museumsdorfs Niedersulz

Dr. Wilfried Lang, ehrenamtlicher Bibliothekar des Museumsdorfs

Zur Erfüllung der Museumsaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren und Vermitteln ist im Laufe der Jahrzehnte einiges an Sekundärliteratur zusammengekommen, die – auch aufgrund ihres jungen Alters – nicht zum Sammlungsbestand der Weinviertler Dorfkultur aus dem 19. Jahrhundert zählt.

Außerdem gab es Schenkungen von umfangreicheren Bücher-Beständen, z.B. durch des Mitaufbauer des Museumsdorfs und ehemaligen Vereinsobmann, Dr. Richard Edl, sowie den ehemaligen Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde, Dr. Franz Grieshofer. Ihnen sei an dieser Stelle von Seiten der Museumsleitung für die großzügigen Bücher-Spenden gedankt!

Damit reifte der Plan heran, eine kleine Bibliothek mit kompletter Erfassung der Bestände einzurichten. Da im Personalstand des Museumsdorf kein/e ausgebildete/r BibliothekarIn arbeitet und die Kapazitäten der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen völlig ausgeschöpft waren, wurde im Umfeld von Ehrenamtlichen jemand gesucht, der professionelle Erfahrung mitbringt. Durch Glück für beide Seiten habe ich, Bibliothekars-Pensionist Wilfried Lang, mich zu diesem Zeitpunkt für eine freiwillige Tätigkeit in meinem Fachbereich gemeldet.

Wilfried Lang

Als Standort wurde jedenfalls ein sehr gut geeigneter Raum in der neu errichteten Volksschule aus Radlbrunn gefunden, der mit Bibliotheksregalen, IT-Infrastruktur und Möbel ausgestattet wurde.

Schule aus Radlbrunn (c) Museumsdorf

Der erste Schritt war die Auswahl der erforderlichen Bibliotheks-Software, die folgendes leisten sollte:

  • Titel aus dem österreichischen Bibliothekenverbund übernehmen,
  • Etiketten- und Barcodedruck in einfacher und effektiver Weise durchführen sowie
  • inhaltliche Erschließung dem Bestand entsprechend ermöglichen.

Folglich wurden drei verschiedene Optionen in Erwägung gezogen:

– Vertrag mit dem Österreichischen Bibliothekenverbund: selbst in der einfachsten Version weitaus zu teuer („mit Kanonen auf Spatzen schießen“),

– selbst mit einem Literaturverwaltungsprogramm als Online-Cloud-Version etwas programmieren: Ich habe schon einige Jahre privat Citavi dafür in Einsatz, das wäre auch in Preisdimensionen angesiedelt, die leistbar sind. Sehr bald stellte sich jedoch heraus, dass das Etiketten- und Inventarisierungs-Handling zu viele Personalressourcen gebunden hätte.

– Daher wurden von mir dann alle Angebote auf dem mitteleuropäischen Kleinbibliothekssoftware-Sektor durchgecheckt, wobei beim Hauptkriterium für Flexibilität und Zukunftssicherheit, nämlich dass die gesamte Anwendung im Browser und über eine Cloud läuft, nur mehr zwei übrigblieben: Koha und Libreja. Letztlich fiel die Wahl auf Libreja, weil bei verschiedenen Kriterien Koha zu viel IT-Administration, vor allem bei der Bedienung der Schnittstelle zum Österreichischen Bibliothekenverbund, verlangt hätte. Zum Glück erwies sich Libreja als gute Möglichkeit, weil

  • es preislich leistbar ist,
  • die Schnittstelle zum Bibliothekenverbund bedient,
  • sehr gute Kundenbetreuung bietet,
  • große Flexibilität aufweist,
  • ein sicheres Druck-/Inventarisierungsmodul aufweist,
  • für den Betrieb keinen IT-Informatiker benötigt und
  • sich gut in die Homepage einbinden lässt.

Von Mitte 2017 bis Ende 2017 dauerte dieser erste Schritt und wurde mit der Einrichtung und Schulung durch den Repräsentanten der Firma Libreja abgeschlossen.

Für die konkrete Bearbeitung der vollen Bücher-Kartons ab Beginn 2018 konnten zwei weitere freiwillige Mitarbeiterinnen für diese Tätigkeit gewonnen werden, die bereits seit Jahrzehnten im Museumsdorf tätig sind: Franziska Bogendorfer und Marianne Messerer. Meist haben sich die beiden für die Aufnahme- und Inventarisierungsarbeit Vor- und Nachmittag geteilt an den Tagen, an denen ich selbst da war. Zeitweise waren wir sogar zu dritt. Ich selbst bin im Schnitt 3 Tage im Monat angereist (hin und zurück 1,5 h Fahrzeit), und bin so in diesen 2,5 Jahren auf ca. 850 Arbeitsstunden gekommen.

Derzeit sind in der Bibliothek und auch in der Datenbank

2.300 Monographien, 107 Zeitschriften und Jahrbücher (mit je 1 bis 233 Bänden/Heften; gesamt 1.230 Stück) und 379 erfasste Artikel (hautsächlich aus der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde).

Die Bestände sind in folgende Bereiche unterteilt und dementsprechend aufgestellt worden:

  • VK Volkskunde
  • MF Museums- und Ausstellungsführer
  • GR Grünraum inklusive Natur- und Umweltschutz
  • GP Geschichte mit Politik und Landeskunde inklusive Orte
  • RE Religion
  • LT Literatur
  • RF Reiseführer
  • KI Kinder- und Jugendbücher inklusive Lehrmittel
  • MU Musik
  • KB Kulinarik
Bibliothek (c) Museumsdorf

Die Bibliothek wird als reine Präsenzbibliothek geführt werden, wobei im anschließenden Seminarraum gelesen und gearbeitet werden kann. Eine Küche steht für Pausen zur Verfügung. Die Bibliothek ist kostenfrei und unabhängig vom Museumsdorf zu benützen. Die online-Recherche kann bequem von Hause aus unter

https://museumsdorf-niedersulz.libreja.de/recherche/

oder vor Ort in der Bibliothek unter Anleitung unserer ehrenamtlichen BibliotheksbetreuerInnen erfolgen. Die Öffnungszeiten werden auf der Museumshomepage bekannt gegeben, sobald wieder Museumsbetrieb möglich ist.

2 Kommentare zu „Die neue Bibliothek des Weinviertler Museumsdorfs Niedersulz

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  1. Guten Tag – Jürgen Splet aus 2191 Gaweinstal

    Ich habe im Jahr 2002 hier im Ort en Haus gekauft und darin sehr viel an ländlicher Literatur (Pflanzen etc, ) aber auch andere Zeitschriften und Bücher gefunden.

    Es kann gerne einmal jemand vorbeikommen und nachsehen, ob etwas von Interesse für die Bilbliothek dabei ist. Ich habe es zwar aufgehoben, aber mein Hauptsammelgebiet ist eher alte (Fahrzeug-)Technik – sowohl die Fahrzeuge selbst als auch Literatur dazu. Sie könne mich entweder hier oder unter 0676-5172825 kontaktieren – eventuell bin ich sogar in ihrer EDV gelistet.

    LG Jürgen Splet

    1. Lieber Jürgen Splet,

      vielen Dank für die Information. Ich kann es gerne an unsere Wissenschaft weiterleiten. Aber aufgrund der derzeitigen Situation ist ein Treffen leider nicht möglich. Wir werden uns melden, sollte sich was ergeben. Liebe Grüße, Elisabeth Wimmer 🙂

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