Wintertätigkeiten in den Gärten des Museumsdorfs. Ein Rückblick.

Tulpenpracht im Vorgarten des Bürgermeisterhauses. Foto: Arbo Walenta

Hilde Fröschl, Gartengestaltung Museumsdorf

Die im Spätherbst gepflanzten Tulpenzwiebeln zeigen bereits ihre Blätter in all unseren Vorgärten und werden nun zu Frühlingsbeginn mit Violen, Stiefmütterchen und anderen zweijährigen Zierpflanzen ergänzt. Doch auch in der stillen Jahreszeit, dem Winter, gab es für das Grünraumteam einiges zu tun.

Durch alle drei Wintermonate hindurch ist es notwendig, Kontrollgänge in unseren Lagern, im Folientunnel sowie im gesamten Gelände des Museumsdorfs durchzuführen. Im Obstkeller wird das faule Obst aussortiert und entfernt, um die Restbestände nicht zu infizieren. Die Dahlienknollen sind – nach Pflanzengröße und Blütenfarbe sortiert – in einem frostfreien Raum untergebracht und müssen auf Feuchtigkeit oder Trockenheit kontrolliert und bei Bedarf mit Wasser besprüht werden, um Fäulnis oder Schimmelbildung zu verhindern. Nur nach sorgfältiger Behandlung und Pflege im Dahlienlager können die Knollen im Frühjahr unbeschadet wieder eingetopft, im Frühbeet vorgezogen und nach den Eisheiligen ausgepflanzt werden.

Dahlie Beatrice. Foto: Arbo Walenta

Im unbeheizten Folientunnel befinden sich sämtliche Blütenstauden, zweijährige Zierpflanzen und Kräuter; diese werden – wenn nötig – zweimal pro Woche gegossen und bei Befall durch Pilze oder Schaderreger mit biologischen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Eine weitere Gießkontrolle ist in unserem Winterpflanzenquartier erforderlich. Dort werden alle Bibelgartenpflanzen wie Oliven, Granatapfel, Lorbeer, Myrte frostfrei überwintert. Auch die Oleander, die im Sommer den Dorfplatz schmücken, und frostempfindliche Kräuter wie die Zitronenverbene kommen hier gut durch den Winter.

Folientunnel im Museumsdorf. Foto: Museumsdorf

Abb. Folientunnel

Wartung und Service von Traktoren, Maschinen, Geräten und Werkzeugen gehören ebenso zu den Wintertätigkeiten im Grünraumbereich. Traktoren und Mähgeräte werden in die Werkstätte gebracht, Gartenwerkzeuge wie Spaten oder Grabgabel werden gereinigt und eingeölt, Gartenscheren geputzt und geschliffen und somit für den Einsatz in der kommenden Saison vorbereitet.

Sogar am Computer im Gärtnerbüro gibt es Arbeit. Über das Jahr werden regelmäßig Aussaaten, pikierte Pflanzen, Saatgutmengen und Dahlien nach Sorten, Farben, Blüten- und Pflanzengröße dokumentiert, ebenso wird über die Arbeiten an Obstbäumen Buch geführt. Jetzt im Winter gilt es, diese Listen digital zu aktualisieren und zu inventarisieren.

Weiters muss das gesamte Museumsgelände regelmäßig begutachtet werden, um Gefahren durch morsche Äste, umstürzende Bäume und Wildschäden rechtzeitig zu erkennen. Gegebenenfalls müssen umgefallene Bäume abtransportiert werden.

Im Jänner und Februar findet schließlich der reguläre Baum- und Strauchschnitt im gesamten Museumsgelände statt.

Baumschnitt. Foto: Museumsdorf
Strauchschnitt. Foto: Museumsdorf

Auch der Obstbaumschnitt auf der Streuobstwiese und der Rebschnitt in den Weingären werden zeitgleich durchgeführt. Neben einer historischen Stockkultur findet man im Museumsdorf eine seit den 1950er Jahren übliche Hochkulturanlage mit typischen Weinviertler Rebsorten wie Grüner Veltliner, Frühroter Veltliner oder Zweigelt. So wird der Unterschied zwischen damals und heute auch im Weingarten anschaulich vermittelt.

Hochkultur Weingarten. Foto: Museumsdorf

Zum Hauptaufgabenbereich des Grünraumteams gehören die Gestaltung und die Pflege der zum jeweiligen Bauobjekt passenden Gärten, Beete und Grünflächen samt Anzuchtgärtnerei. Im Folientunnel, der außerhalb des Museumsgeländes liegt, werden die Pflänzchen vorgezogen, die später in den Gärten wachsen. Schon im Lauf des Spätsommers bis in den Herbst hinein ernten die Gärtner*innen Samen von Zierpflanzen, Gemüse und einigen Kräutern in ausgereiftem Zustand und bei trockener Witterung. Diese Samen werden im frostfreien Samenlager aufbewahrt.

Während der Wintermonate nun werden sie ausgelöst und in Handarbeit von Hülsen und Schalen befreit. Das geschieht mit Hilfe unterschiedlich großer Siebe und Lochungen, wobei das Saatgut von Schalenresten, Steinchen und Unkrautsamen getrennt und schließlich in Papiersäckchen abgefüllt wird. Die beschrifteten Samensäcken werden in einem vor Mäusen und anderem Getier gesicherten Kasten bei niedriger Raumtemperatur aufbewahrt, bis sie schließlich gegen Ende des Winters wieder angesät werden.

Samen auslösen Cardy. Foto: Museumsdorf
Samen auslösen Rote Gartenmelde. Foto: Museumsdorf
Aussaat. Foto: Museumsdorf

Nicht nur für den Eigenbedarf in unseren Gärten werden die Samen benötigt, sondern sie sind auch bei den Besucher*innen des Museumsdorfs sehr beliebt. Daher werden sämtliche Samensäckchen für den Verkauf im Shop vorbereitet und etikettiert.

Nach einem guten Saatgutmanagement und einem zur Neige gehenden Winter beginnt mit der Pflanzenanzucht für unsere Gärten und für den jährlich stattfindenden traditionellen Pflanzenmarkt alles wieder neu im Jahreslauf. Die ersten Aussaaten werden Ende Februar vorgenommen. Fruchtgemüsesaatgut wie jenes von Paradeisern, Paprika, Pfefferoni, Melanzani und Andenbeeren ist als Erstes an der Reihe, gefolgt von Sellerie und Porree. In unserem unbeheizten Folientunnel wäre es diesem Saatgut zu kalt, daher wird es in Töpfen angesät und in Minigewächshäuschen auf der Fensterbank bei Raumtemperatur vorkultiviert, bis die Pflänzchen nach etwa zwei Wochen pikiert werden.

Mitte März werden weitere Fruchtgemüsearten wie Kürbisse, Zucchini und Gurken einzeln in Töpfen angesät und von einem zusätzlichen Vlies umgeben in den Folientunnel gestellt. Auch sämtliche Kohlgemüsearten, Salate und einjährige Sommerblumen sind in der ersten Märzhälfte an der Reihe, diese sind nicht so wärmebedürftig und brauchen keinen Kälteschutz über den Aussaatkisten.

Junge Salatpflanzen im Folientunnel. Foto: Museumsdorf

Die wesentlichen Vorbereitungsarbeiten in der Gärtnerei und im Museumsgelände sind nun getan und mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings widmen sich die Gärtner*innen gerade rechtzeitig vor Saisoneröffnung der Frühlingsbepflanzung und dem Kräuterschnitt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: