„Schlafzimmer-Bilder – Zeugnisse populärer Frömmigkeit“

Dr. Veronika Plöckinger-Walenta, wiss. Leitung

Die für 18. April geplante Ausstellungseröffnung kann leider nicht stattfinden, aber die Bilder sind mit dem verspäteten Saisonstart des Museumsdorfs – nach heutigem Stand am 3. Mai – zu besichtigen. Mit diesem Blogbeitrag möchten wir Ihnen „Gusto machen“ auf den Ausstellungsbesuch.

Einrichten der Ausstellung. Foto: Museumsdorf

Ölgemälde als Wandschmuck waren in adeligen Wohnsitzen und bürgerlichen Haushalten jahrhundertelang üblich. Aber auch in bäuerlichen Stuben schmückte man die Wände gerne mit Hinterglasbildern oder Wallfahrtsandenken.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts machten technische Verbesserungen der Lithographie den Druck von Bildern möglich und somit günstiger. Bei diesem Flachdruckverfahren dienen Steinplatten mit angefeuchteten Stellen, welche die fetthaltige Farbe abstoßen, als Druckplatten. Die Bilder waren vorerst schwarzweiß oder sepiafarben, dann auch mehrfärbig. Durch die billigere Massenproduktion waren sie auch bei Bauern-, Handwerker- und Arbeiter-Familien weit verbreitet.

Die Bezeichnung „Schlafzimmerbilder“ bezieht auf bestimmte Bilder im breiten „Handtuch-Format“ von 52×120 cm, die in den eher niedrigen Schlafzimmern über den Ehebetten hingen. Der Begriff „Handtuchformat“ wurde schon um 1905 verwendet. Der Name „Schlafzimmerbild“ taucht offiziell erstmals in Werbeschriften während des Ersten Weltkrieges auf. Die Bilder zeigen meist religiöse Motive, die historische Gemälde nachahmen und setzten sich zu Beginn der 1920er Jahre voll durch. Sie wurden bis in die 1970er Jahre hergestellt und bis nach Amerika verkauft, wo sie v.a. bei Auswanderern aus Europa beliebt waren.

Schlafzimmerbilder in der Lehrerwohnung. Foto: Museumsdorf

Es gibt aber auch andere Formate und Motive wie z.B. hochformatige Herz Jesu- und Herz Mariä-Bilder, die immer gemeinsam über den Ehebetten oder im Herrgottswinkel in der Küche oder Stube hingen. Schutzengel-Darstellungen hängte man bevorzugt zu den Kinderbetten. Diese Motive wurden auch als Hinterglas- und Stickbilder produziert, die in großen Mengen in Heimarbeit hergestellt wurden. Auf Lochkarton gedruckte Stickbilder zur eigenen Ausgestaltung waren seit den 1880ern bis in die 1920er Jahre sehr beliebt.

Küche im Bürgermeisterhaus mit Herz Jesu- und Herz Marien-Bilderm Foto: Nadja Meister
„Mentscha Kammer“ im Bürgermeisterhaus mit Herz Jesu- und Herz Marien-Bildern sowie Schutzengel-Bild, Foto: Museumsdorf

Der Verkauf der fertig gerahmten Schlafzimmerbilder erfolgte oft durch fahrende Händler direkt an der Haustüre gegen eine Anzahlung bzw. Ratenzahlung. Breite „Stuckgoldrahmen“ mit reicher Verzierung aus Vergoldermasse waren für Herz Jesu- und Mariä-Bilder, aber auch für die großformatigen Schlafzimmerbilder beliebt. Ovale Bildformate und Rahmen wurden Anfang der 1920er Jahre modern. Ab den 1950er Jahren gab es Rahmen aus Fabrikleisten, die goldfarben gestrichen waren oder Holzlasur imitierten.

„Ölberg Christus“ in ovalem Format, Foto: Museumsdorf

Es gab auch Händler mit festen Plätzen z.B. an Hauswänden, hier erfolgte der Verkauf meist ohne Rahmen. Auch auf Jahrmärkten und Kirtagen wurden Heiligen- und Schlafzimmerbilder angeboten. Die Bilder waren aber trotz Massenproduktion nicht billig für Klein-Bauern, Arbeiter, Mägde und Knechte, da sie ungefähr zwei Monatslöhne einer Magd kosteten.

Motive

Bei den religiösen Motiven dominierten Christus- und Mariendarstellungen in Form von bestimmten „Typen“: Christusdarstellungen waren vor allem, aber nicht nur in evangelischen Familien verbreitet. Besonders beliebt waren die Motive „Christus im Ährenfeld“ und „Christus am Ölberg“, die beide von Josef Untersberger, signiert „Giovanni“, stammen. Der aus Gmunden stammenden Kunstmaler siedelte sich in München an und arbeitete vor allem für den größten Produzenten von Schlafzimmerbildern, die Dresdner Firma May. Häufig anzutreffen waren auch „Der Gute Hirte“ und „Der anklopfende Jesus“.

„Ährenfeld-Christus“, Foto: Museumsdorf
„Ölberg-Christus“, Foto: Museumsdorf

Der „Ährenfeld-Christus“, aber auch andere Schlafzimmerbilder wurden gerne zum Schmücken eines Fronleichnamsaltar verwendet.

Fronleichnamsalter mit Schlafzimmerbild in Loidesthal, Foto: Museumsdorf

Bei den Madonnendarstellungen ist Maria meist mit dem Jesuskind dargestellt, oft in halb liegender Position. Die „Taubenmadonna“ von Hermann Clementz, aber auch von Josef Untersberger zeigt die liegende Gottesmutter Maria mit Jesus als Baby am Schoß, flankiert von Tauben fütternden Putten. Das Motiv hielt sich rund 30 Jahre am Markt – auch als Variante mit mehreren Mädchen mit Tauben spielend und Lämmern als Unschulds- und Liebessymbolen.

Taubenmadonna, Foto: Roman Jandl

Hans Zatzka, sign. „Zabateri“, fertigte zahlreiche Madonnen- und Christusdarstellungen, die Heilige Familie und Schutzengelbilder an. Er schuf jedoch auch nicht-religiöse, elfenhafte und sinnliche Frauengestalten. So wurde 1920 erstmals der „Nixentraum“ unter seinem Pseudonym Zabateri von der Fa. May angeboten. Daraus entwickelte sich eine Reihe von ebenfalls sehr beliebten Reigen-, Traum- und Kanubildern, auf denen tanzende, träumende oder in einem Kahn liegende Elfengestalten zu sehen sind.

Hochzeitstraum, Foto: Museumsdorf

Für das Zustandekommen der Ausstellung gilt besonderer Dank den beiden Ehrenamtlichen: Dr. Magdalene Papp und Peter Huber haben sich um die Renovierung der Rahmen und Bilder gekümmert und standen immer mit Rat und Tat zur Seite. Danken wollen wir auch den Spender*innen von Schlafzimmerbildern, die damit zur Ausstellung und zur Erweiterung der Bildersammlung des Museumsdorfs beigetragen haben.

Rahmeninstandsetzung Dr. Magdalene Papp und Peter Huber, Foto: Museumsdorf
Bilderregal im Depot, Foto: Museumsdorf

2 Kommentare zu „„Schlafzimmer-Bilder – Zeugnisse populärer Frömmigkeit“

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