Frauen im Dorf – Teil 2

Mag. Marianne Messerer und Elisabeth Stadler

Nach den verschiedenen wichtigen weiblichen Aufgaben im bäuerlich-handwerklichen Bereich widmen wir uns nun weiteren Betätigungsfeldern von Frauen in einem (Weinviertler) Dorf um 1900.

Im Dienst der Gemeinde

Um wichtige Nachrichten und Informationen unter die Leute zu bringen, gab es das Austrommeln. Dazu erhielt die Austrommlerin den Auftrag vom Bürgermeister. Mit kräftigen Trommelschlägen machte sie auf sich aufmerksam und verkündete überall dort, wo Leute sich zusammengefunden hatten, ihre Nachricht. Berichtet wird auch, dass Trauerfamilien austrommeln ließen, wer gestorben war und wann das Begräbnis sei.

Mancherorts stand dem Bürgermeister eine Gemeindeschreiberin, später Sekretärin, zur Seite. In der Amtsstube verrichtete sie ihren Dienst zum Wohle der Gemeindebürger und zur Unterstützung der Verwaltung.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Postfräulein. Sie sorgte für einen reibungslosen Ablauf der Postgeschäfte, hatte die Briefträger einzuteilen und mit der vermehrten Verbreitung des Telefons nach dem 2. Weltkrieg Ferngespräche durch „Stöpseln“ der Leitungen zu vermitteln. Da Frauen im Postdienst anfangs unverheiratet waren, hat sich der Begriff „Fräulein“ übermittelt. Schließlich galt es, die Milchlieferungen der Bauern zwei Mal am Tage im Milchhaus zu bearbeiten, das tat die Milchmesserin. Für eine Frau aus bescheidenen Verhältnissen ein sicheres Zubrot und eine begehrte Position

Milchkannen in der Ausstellung „Bauernleben im Wandel“, Foto: Museumsdorf

Im Dienst der Kirche

Einigen Frauen bot auch die Kirche regelmäßige Arbeit oder eine reguläre Nebenbeschäftigung.

Die Pfarrersköchin war wohl diewichtigste Frau für den Pfarrbetrieb: Sie regelte den Pfarrhaushalt, den Wirtschaftsbetrieb und anfallende Arbeiten in der Kirche und der Sakristei. Manchmal war sie eine Verwandte des Pfarrers, ansonsten eine verlässliche Frau aus dem Dorf, die im Pfarrhof wohnte. Wirtschaftsbetrieb heißt, dass früher zum Pfarrhaus eine mittlere Landwirtschaft gehörte, die vom Dienstpersonal des Pfarrers bearbeitet wurde.

Pfarrhof aus Pottenhofen, Foto: Museumsdorf

Die Mesnerin war entweder die Gattin des Mesners oder eine selbständige Frau, die diese kirchlichen Arbeiten rund um die Gottesdienste erledigte. Oft war diese Arbeit gekoppelt mit dem Läuten der Glocken, was bedeutete, dass sie zu bestimmten Tageszeiten und zu den Gottesdienstzeiten das Läutwerk zu betätigen hatte. Im Tagesablauf blieben ihr dazwischen nur ein paar Stunden für ihre eigene Arbeit zuhause.

Weniger ehrenamtliche Anwesenheit erforderte der Dienst der Vorbeterin. Ob Mann oder Frau musste man als Vorbeter*in Gebete, Litaneien oder Volksgesang in der Kirche, bei Prozessionen oder Begräbnissen mit sicherer Stimme anstimmen können.

Es gab immer wieder Pfarren, wo nicht der Oberlehrer, sondern eine Organistin den Ton angab.

Für den Blumenschmuck beim Altar und in der Kirche fühlte sich eine Frau bzw. deren Familie zuständig. Die Kirchenreinigung oblag ganz den Frauen, die sich vor hohen Feiertagen zu diesem Zweck in der Kirche trafen.

Marienkapelle aus Lanzendorf, Foto: Museumsdorf

Berufe im Pädagogischen Bereich

In den tatsächlichen Unterrichtsbetrieb an Schulen fanden Frauen spät und nur allmählich Einzug.

Wo es bereits einen Kindergarten gab, war die Kindergärtnerin die erste Frau in diesem sensiblen Betreuungsbereich.

Lehrerinnen für weibliche Handarbeit setzten im Unterrichtsbereich erste Akzente.

Vitrine mit schulischen Handarbeiten, Foto: Museumsdorf

Bis Lehrerinnen für den von Männern dominierten Unterrichtsbetrieb an die Reihe kamen, dauerte es eine geraume Weile. Es fehlte an Ausbildungsstätten und wenn es eine Frau bis in die Schulklasse schaffte, so hatte sie ledig zu bleiben, da man einer verheirateten Frau das Unterrichten nicht zutraute. Für den Fall, dass sie doch eine Ehe einging, musste sie aus dem Schulbetrieb ausscheiden. Erst die Kriege haben dazu geführt, dass Frauen im Unterrichtswesen dringend benötigt wurden.

Die Schule hätte aber ohne die Arbeit einer verlässlichen Schuldienerin nicht funktioniert. Sie war für die Sauberkeit im Schulhaus zuständig, bediente im Winter in den Klassen die Öfen und half mancher Oberlehrersfamilie, die in der Lehrerwohnung wohnte, bei größeren Arbeiten im Haushalt (Waschtag) oder im Schulgarten.

Schulgarten, Foto: Museumsdorf
Speid und Waschküche zugleich in der Lehrerwohnung, Foto: Nadja Meister

Gesundheit / Pflege

In den größeren Dörfern oder Märkten existierten Arztstelle und Apotheke. Die Frauen in diesen Bereichen waren Arzthelferin oder Apothekenhelferin und Hausfrau zugleich.

Eine Hebamme gab es in den meisten größeren Orten. In vielen Fällen hatte sie ihre Tätigkeit von der Vorgängerin angelernt.

Frauen, die sich mit Pflege, Kräuterkunde und einfachen Heilmitteln auskannten, suchte man im Bedarfsfall gerne auf, denn Arzt oder das Spital waren teuer und meist weit entfernt.

Zum Schluss noch ein paar Funktionen von Mädchen und Frauen rund um beliebte Feste in den Familien und im Dorf:

Hochzeit: Braut, Brautmutter, Kupplerin, Hochzeitsköchin, Hochzeitsbäckerin, Kuchlmensch, Kranzlmädchen.

Taufe und Firmung: Godl = Patin

Patin bei Glockenweihe und Fahnenweihe (Feuerwehr)

„Weiße Mädchen“: nicht nur Mädchen bei der Erstkommunion oder Blumenkinder am Fronleichnamstag, sondern auch junge Damen, die durch ihr Auftreten in langen weißen Kleidern das Fest verschönten.

Tipp: Alltag im Dorf zu „Geschichten aus Kleiderkasten und Kommode“ am 13. 8. und „Waschtag – mit Waschrumpel und Aschenlauge“ am 20. 8., jeweils von 13-17 Uhr

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