Hutterer


Anlässlich des 500jährigen Reformationsjubiläums wurde am Sonntag, den 7. Mai 2017 um 14.00 Uhr, die neugestaltete Ausstellung „Evangelisch im Weinviertel“ in der so genannten „Lutherische Kapelle“ im Museumsdorf Niedersulz durch Landesrat Mag. Karl Wilfing, in Vertretung von Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner, und dem niederösterreichischen Superintendenten Mag. Lars Müller-Marienburg feierlich eröffnet. Prof. em. Dr. Gustav Reingrabner, ehemaliger Superintendent a.D. der evangelischen Superintendentur Burgenland, der auch schon die vorangegangene, evangelische Ausstellung im Museumsdorf im Jahr 1999 konzipiert hatte, sprach in seiner Rede über die Evangelischen in der Region im Verlauf der Jahrhunderte.

Feierliche Eröffnung im Museumsportal.

 

Prof. em. Dr. Gustav Reingrabner.

 

Evangelischer Superintendent von NÖ Mag. Lars Müller-Marienburg.

 

Weiters konnte die Geschäftsführerin des Museumsdorfes, Dr. Veronika Plöckinger-Walenta, unter den zahlreichen Ehren- und Festgästen begrüßen: Dr. Edgar Niemeczek (Geschäftsführer Kultur.Region.Niederösterreich), Landtagsabgeordneter René Lobner, die Bezirkshauptfrau aus Korneuburg Dr. Waltraud Müllner-Toifl, Bürgermeisterin Sulz im Weinviertel Angela Baumgartner und Vizebürgermeister Ronald Wiesinger, Superintendential-Kuratorin Dr. Gisela Malekpour, Herbert Nowohradsky (2. Landtagspräsident a.D. und Obmann des Vereins Freunde des Museumsdorf Niedersulz), Mag. Ulrike Vitovec (Geschäftsführerin Museumsmanagement Niederösterreich), Dr. Ernst Petritsch (Evangelisches Museum Wien), für die evangelischen Pfarrgemeinden Mag. Christian Brost aus Stockerau, Mag. Anneliese Peterson aus Korneuburg, Mag. Hans Spiegl und Dr. Rotraud Perner aus Mistelbach, sowie Ing. Reinhold Eichinger für den Hutterischen Geschichtsverein.

 

Dr. Edgar Niemeczek (Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich), Landtagsabgeordneter René Lobner, Dr. Veronika Plöckinger-Walenta (Geschäftsführerin Museumsdorf), Landesrat Mag. Karl Wilfing, Bezirkshauptfrau Korneuburg Dr. Waltraud Müllner-Toifl, Superintendent St. Pölten Mag. Lars Müller-Marienburg, Superintendentialkuratorin Dr. Gisela Malekpour, Herbert Nowohradsky (2. Landtagspräsident a.D. und Obmann des Vereins Freunde des Museumsdorfs Niedersulz)

 

Dr. Edgar Niemeczek (Geschäftsführer Kultur.Region.Niederösterreich), Dr. Veronika Plöckinger-Walenta (Geschäftsführerin Museumsdorf Niedersulz), Superintendent Mag. Lars Müller-Marienburg, Dr. Rotraut Perner, Dr. Ernst Petritsch (Evangelisches Museum Wien).

Die wunderbare und stimmige, musikalische Umrahmung gestaltete der Gospelchor der evangelischen Gemeinde Melk-Scheibbs unter der Chorleitung von Diözesan-Kantorin Sybille von Both.

Die Ausstellung „Evangelisch im Weinviertel“ zeigt – ausgehend von Martin Luthers Thesenanschlag 1517 – Geschichte und Gegenwart der Evangelischen im Weinviertel. Um 1580 war das Viertel unter dem Manhartsberg praktisch zur Gänze evangelisch und namhafte Prediger hier tätig. Im Zuge der Gegenreformation mussten alle Evangelischen das Land verlassen oder katholisch werden.

„Lutherische Kapelle“ im Museumsdorf.

 

Andachtsbücher, Bibeln und Gesangsbücher aus fünf Jahrhunderten.

 

„Evangelische Bilderwelt“

 

„Evangelisch im Weinviertel“ im Museumsdorf / Gebäude aus Niederfellabrunn.

Erst um 1900 siedelten sich im Weinviertel wieder Evangelische an, die vorerst von Wiener Pfarrgemeinden aus betreut wurden. Heute gibt es hier vier evangelische Pfarrgemeinden mit ihren Predigtstellen, die zur 1947 gegründeten Diözese Niederösterreich gehören.

Weitere Themen der Ausstellung sind die Hausgeschichte des in der Überlieferung „Lutherische Kapelle“ genannten Gebäudes aus Niederfellabrunn sowie die „Evangelische Bilderwelt“. Zu sehen sind Bilder, Andachtsbücher und Bibeln sowie Gesangbücher aus fünf Jahrhunderten.

Der Bereich Religion im Museumsdorf bietet außerdem in unmittelbarer Nähe zur lutherischen Kapelle die Täufer-Ausstellung des Hutterischen Geschichtsvereins – die zumindest in Österreich einzige umfassende Darstellung des Themas Täufer/Hutterer/Habaner. Zwischen den beiden Einrichtungen liegt der 2013 angelegte Bibelgarten, der eine Oase für BesucherInnen bietet und nach den Richtlinien von Natur im Garten gepflegt wird.

Bibelgarten; im Hintergrund „Lutherische Kapelle“.

Redakteur Roberto Talotta vom Österreichischen Rundfunk war vor Kurzem im Museumsdorf und hat einen Beitrag zu den Hutterern recherchiert:

Nachzuhören auf: http://religion.orf.at/radio/stories/2776380/

Sepp Portrait Winkelprediger - Kopie

Vom Schicksal der „Winkelprediger“ – Sendboten bis nach Konstantinopel!

Winkelprediger - Kopie

 

„Daß Gottes Wort und Willen den Menschen werd bekannt !“

(Gran, Codex III 155, Blatt 353)

Von den Feinden wurden sie verächtlich „Winkelprediger“ genannt.

Die Sendboten der Hutterer waren meist solche, die

„wie Eulen und Nachtraben durch das Land huschten, da sie sich bei Tag nicht sehen lassen konnten“.

(Rudolf Wolkan, Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder)

Zu Fuß wurde durch Wälder und Gebirge gereist und nachts gepredigt. Meist blieb ihnen nur das Predigen in geheimen „Winkeln“, um ihre Botschaft weiterzusagen. Ob in stillen Wäldern, in Mühlen, auf einsamen Höfen oder in Schweineställen – Jesus Christus wurde an allen Orten, sogar bei ihren öffentlichen Hinrichtungen, bezeugt!

Gemäß Jesu Auftrag wurden Hutterer-Missionare je zwei und zwei in alle Himmelsrichtungen ausgesendet. Jeder einzelne hatte Briefe und Traktate in seiner Tasche. Polen, Galizien, Ungarn, Italien, ja sogar Thessaloniki und Konstantinopel waren ihre Ziele.

Das Täufer-Museum hat täglich, zu den regulären Öffnungszeiten im Museumsdorf geöffnet:
15. April bis 1. November 2016, 9.30 bis 18.00 Uhr.

 

Am Samstag, den 29. Juni 2013 fand ein Thementag mit dem Titel „Die Täufer im Weinviertel“ im Museumsdorf Niedersulz statt.

Das Museumsdorf beherbergt das in Österreich erste gegründete Täufermuseum, das einen Überblick über die Entwicklung des „dritten Flügels der Reformation“, von seinen Anfängen bis zu den Freikirchen der Gegenwart gibt.

Das Täufermuseum im Kleinhäuslerhaus aus Wilfersdorf im Museumsdorf Niedersulz.

Das Täufermuseum im Kleinhäuslerhaus aus Wilfersdorf im Museumsdorf Niedersulz.

Österreich und nicht zuletzte das Weinviertel spielten dabei eine nicht unbedeutende Rolle – grausame Verfolgungen der damaligen Zeit trafen insbesondere die Hutterer und verdrängten sie aus Südmähren, dem Weinviertel und der Westslowakei. In ingesamt fünf Räumen im Täufermuseum werden unter anderem interessante Einzelschicksale oder die Lebensweise auf den hutterischen Bruderhöfen sowie das geniale handwerkliche Können wie beispielsweise die Habaner-Keramik näher beleuchtet.

Audiostationen und Videoclips im Täufermuseum zeigen einige Sprachbeispiele und das heutige Leben der etwa 50.000 Hutterer, die in den Prärien Nordamerikas leben und noch immer einen altösterreichischen Dialekt sprechen.

Hutterer - Holzschnitt.

Hutterer – Holzschnitt.

Beim Thementag „Die Täufer im Weinviertel“ gab es gleich zwei Führungen durch die Täuferausstellung und weiters einen Vortrag vom Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Winkelbauer in der Georgskapelle des Museumsdorfes. Titel des Vortrages: „Die rechtliche Stellung der Täufer im 16. und 17. Jahrhundert am Beispiel der habsburgischen Länder“.

v.l.n.r.: Ing. Reinhold Eichinger (Obmann des Hutterischen Geschichtsvereines und Initiator des Projektes "Täufermuseum" im Museumsdorf), Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Winkelbauer (Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung), Mag. Josef Franz Enzenberger (Historiker & Germanist).

v.l.n.r.: Ing. Reinhold Eichinger (Obmann des Hutterischen Geschichtsvereines und Initiator des Projektes „Täufermuseum“ im Museumsdorf), Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Winkelbauer (Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung), Mag. Josef Franz Enzenberger (Historiker & Germanist).

Unser Täufermuseum strahlt bis nach Amerika aus.

Sie glauben es nicht? Hier das Beweisfoto: Kathleen und Tony Waldner aus den USA besuchten uns kürzlich im Museumsdorf, um die Ausstellung über die Hutterer zu besichtigen. Hier sind sie in ihrer typischen Hutterer-Tracht zu sehen, die bis heute so getragen wird.

Nun, ich geb zu, die Waldners waren nicht schnurstracks über den großen Teich zu uns gekommen. Tony Waldner gilt als guter Hutterer-Lehrer, der in Amerika viele Vorträge hält. Weil er sehr gut Deutsch kann, wird er auch gerne nach Europa eingeladen. Deutsch ist für die Hutterer nämlich nicht selbstverständlich. Sie haben zwar ihre eigene Sprache, die auf den alten österreichischen Dialekten aufbaut. Aber in unseren Tagen ist sie schon so sehr mit dem Amerikanischen vermischt, dass sie sich zu Deutsch wie zu einer Fremdsprache verhält.

Tony Waldner war also mit seiner Frau Kathleen nach Tirol eingeladen worden, um an der Universität von Innsbruck Vorträge zu halten. Dort unterrichtet ja Astrid von Schlachta, eine Hutterer-Expertin, die uns bei der Errichtung  des Täufermuseums beraten hat.

Von Innsbruck war es für die Waldners dann nicht mehr weit bis zu uns nach Niedersulz. Ing. Reinhold Eichinger, der das Huttermuseum kuratiert, hat sie begleitet. Die Gäste waren sehr begeistert von der Ausstellung und wollen sie gerne weiterempfehlen.  Kathleen Waldner kaufte Hutterer-Keramik, die wir im Shop anbieten und  Tony Waldner plauderte ein bisschen aus der Schule.

Seine Gruppe wird in Amerika als „Die Deutschen“ bezeichnet. Durch ihre handwerkliche Geschicklichkeit und ihren Fleiß, den wir schon aus der Geschichte kennen, gibt es in Amerika auch heute noch den Spruch: „Wenn die Detschen wos mochn, is´ grod gmocht.“ (O-Ton Tony Waldner)

Die Geschichte der Hutterer und Täufer ist noch wenig erforscht. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet seit einem Jahr unser  Täufermuseum im Wilfersdorfer Haus.

Bei meinem Besuch der NÖ Landesausstellung, die die gemeinsame Vergangenheit von Österreich und Tschechien behandelt, wird auch die religiöse Entwicklung der Region beleuchtet. Natürlich spielt die Geschichte der Täufer ebenfalls  eine kleine Rolle.

Diese religiöse Bewegung fand gerade im Grenzgebiet des nördlichen Niederösterreichs und südlichen Böhmens  Zuflucht, vor allem im Herrschaftsgebiet der Liechtensteiner. Sie waren durch ihre protestantische Glaubensrichtung nicht nur toleranter sondern wussten auch die handwerklichen Fähigkeiten der Täufer zu schätzen. Als Kunst der Habaner ist sie bis heute bekannt.

Schloss TelcBeispiele für historische Habaner Keramik sind ebenfalls in der Landesausstellung zu sehen.

Die Themen Täufer und Habaner sind im dritten Teil der Landesausstellung zu finden, in der tschechischen UNESCO-Kulturerbe-Stadt Telc. Im Schloss von Telc wird das Thema Kunst und Religion beider Länder behandelt.

Der Gemüsegarten und Ulli Nehiba rüsten sich zu den beiden nächsten  Gartentagen am 25. und 26. Juli, bei denen es um das Thema Sommergemüse geht.

Schauplatz ist dieses Mal der Garten des Ausgedingehauses.

Das Ausgedingehaus war der Altersitz der Altbauern und mit dem kleinen Gemüsegärtchen besserten sie ihr kärgliches Lebensmittelangebot auf.

Unser Gemüsegarten zeichnet sich durch ein paar besondere Raritäten aus.

Gartenexpertin Ulli Nehiba wirft gerade einen letzten kritischen Blick darauf.

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An den Paradeisstauden werden gerade die ersten Paradeiser rot. Sie haben eine etwas dickere Schale und sind darum besonders zum Füllen geeignet.  Die Paradeiser werden „Old German“ genannt und sind eine alte Hutterer-Sorte, denn sie wurden von den Hutterern bei ihrer Auswanderung von Deutschland nach Amerika mitgenommen.

Der Geschichte der Hutterer widmet das Museumsdorf ja ein ganzes Haus: das Täufermuseum, das im Oktober im Kleinhäuslerhaus aus Wilfersdorf eröffnet worden ist.

Langsam werden auch die Samen der Dille reif.

Die Samenstände verwendeten die Bäuerinnen  wegen des besonderen Geschmacks zum Einlegen der Essiggurkerln.

Diese Dille ist ungewöhnlich groß. Das hat ihr  wohl auch den speziellen Namen eingebracht: „Herkules“.

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Ist das nicht ein ganz besonders lustiges Gemüse? Das ist ein „Palmkohl“ – wahrscheinlich weil seine Blätter einer Palme ähneln.  Der Palmkohl ist ein Pflückkohl, den man nach und nach seiner Blätter berauben kann und die dann immer wieder nachwachsen.

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Ulli Nehiba wirft einen fachmännischen Blick auf die Fisolen. Als Schnittfisolen könnte man sie schon essen. Aber diese alte Weinviertler Sorte liesen die Hausfrauen meistens zu den weißen Bohnen ausreifen. Damit waren sie über den ganzen Winter haltbar und wurden  zur dicken Bohnensuppe verkocht. Das war ein ausgiebiges Essen vor allem für die ärmere Bevölkerung.

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Auch unser Shop ist ganz auf Sommergemüse eingestellt. Praktikantin Lea hat auf einem Regal viel Gemüsiges zusammengetragen: von Zwiebelchutney und  Senfgurken bis zu grünem Paradeissalat. Kochbücher und Gartenbücher sind natürlich auch dabei.