„Wilde Bienen“ im Museumsdorf

Franziska Denner, Naturvermittlerin

Unter dem Begriff „Biene“ stellen sich die meisten von uns ein ganz bestimmtes Tier vor: die Honigbiene. Wir wollen uns allerdings mit den „wilden“ Verwandten dieses beliebten Haus- und Nutztieres beschäftigen. Jede einzelne Bienenart werden wir dabei nicht behandeln können – schließlich gibt es in Österreich etwa 700 Arten von Wildbienen! Ihr Aussehen und ihre Lebensweise sind so vielfältig wie faszinierend. Doch eines haben alle Bienen gemeinsam – ihre vegetarische Lebensweise: Sie trinken Blütennektar und versorgen ihre Nachkommen mit Pollen, auch Blütenstaub genannt.

Beginnen wir mit der auffälligsten und größten Wildbiene: der Holzbiene. Durch ihre Größe – sie kann 3 cm Körperlänge erreichen – und ihre blauschwarze Färbung ist sie unverkennbar und auch ein wenig angsteinflößend.

Die schwarzblaue Holzbiene ist unsere größte heimische Bienenart, Foto: Pixabay

Doch keine Sorge – sie nutzt ihren Wehrstachel nur in absoluten Notsituationen und nicht zur Verteidigung ihres Nestes. Holzbienen nagen ihre Nistgänge gerne in altes, angemorschtes Holz: Die markanten kreisrunden Löcher mit etwa 1-1,5 cm Durchmesser zeigen den Eingang eines solchen Nistganges. Im Museumsdorf sind z.B. die Steher der Wasserrinne, die zum Mühlrad führt, oder die alten Kopfweiden ein beliebter Nistplatz für Holzbienen.

Holzbienen-Loch in Kopfweide (das untere, kleinere Loch), Foto: Museumsdorf
Holzbienen-Löcher, Foto: Museumsdorf

Nur wenigen Leuten ist bewusst, dass auch die pelzigen Hummeln zu den Bienen gehören. In ganz Österreich gibt es über 40 Arten von Hummeln, die meisten sind jedoch im Gebirge zu Hause. Denn im Gegensatz zu den meisten Wildbienen sind Hummeln durch ihre starke Behaarung und ihre ausgeprägte Flugmuskulatur an Kälte sehr gut angepasst. Sie sind somit eine der ersten Biene des Jahres und des Tages und fliegen auch dann schon, wenn es der Honigbiene noch zu kalt ist. Außerdem beherrschen Hummeln die Vibrationsbestäubung: Einige Pflanzen, darunter auch unsere beliebten Paradeiser, schütten ihre Pollen nur bei einer bestimmten Flügelschlagfrequenz des Bestäubers aus. Honigbienen sind nicht dazu in der Lage, diese Vibrationen zu erzeugen. Beim Anbau von Paradeisern sind wir deshalb auf Hummeln angewiesen. Weiters sind sie die einzigen Wildbienen, die größere Völker bilden und in äußerst geringem Umfang auch Honig produzieren. Bei uns sind die häufigsten Hummelarten Erdhummel, Steinhummel und Ackerhummel.

Diese Erdhummel ist übersät von Löwenzahnpollen, Foto: Franziska Denner

Die meisten heimischen Bienenarten sind jedoch Einzelgänger, an günstigen Stellen nisten sie in Kolonien. So etwa bei den Schmalbienen, die im Museumsdorf bei den Eseln Peppino und Gusti im April und Mai ihre Nester in den Boden graben. Am Ende des langen, senkrechten Ganges befindet sich, geschützt im Erdboden, die Brutkammer. Aufgrund ihrer geringen Größe (sie sind nicht einmal einen 1 cm groß) werden diese winzigen Bienen auf den ersten Blick für Fliegen gehalten. Hunderte, ja sogar tausende von ihnen fliegen im Frühling nervös über die kahlen Stellen, die von den Eseln durch Sandbaden und Scharren offengehalten werden. Die angrenzende Wildblumenwiese bietet ihnen den notwendigen Pollen als Nahrung für ihre Larven.

Eine Schmalbiene schaut aus ihrem Nest im Eselgehege am Lebenden Bauernhof heraus, Foto: Franziska Denner
Schmalbiene im Eselgehege, Foto: Franziska Denner

In den Steilwänden der Lehmbaustelle graben Seidenbienen waagrechte Nistgänge. Sie haben – auch, was die Größe betrifft – starke Ähnlichkeiten zur Honigbiene. Doch alleine durch das Verschwinden in Löchern auf Sandflächen oder an Lösswänden verrät sich die Seidenbiene. Obwohl jede Biene ihr eigenes Nest anlegt, nisten sie doch gerne in kleineren Ansammlungen.

Nistlöcher Lehmbaustelle, Foto: Museumsdorf

Die Schmal- und Seidenbienen sind in guter Gesellschaft: Mehr als die Hälfte aller heimischen Bienenarten nistet im Erdboden! Für sie sind die gängigen Wildbienen-Nisthilfen somit wertlos. Zu diesen Erdnistern gehören auch die Sandbienen – mit etwa 150 Arten stellen sie die artenreichste Gattung in Österreich. Wie Hummeln oder Honigbienen transportieren sie den Pollen für den Nachwuchs an den Beinen. Längere Haare an den Hinterbeinen – die so genannte Beinbürste – helfen beim Festhalten des Blütenstaubes.

Sandbiene Lehmbaustelle, Foto: Museumsdorf

Eine andere Methode, den Blütenstaub in das Nest zu bringen, haben Mauerbienen: Sie besitzen längere Härchen am Bauch – genauer: an der Unterseite des Hinterleibes –, an denen der Pollen hängenbleibt. Mauerbienen, vor allem die Gehörnte Mauerbienen und die Rostrote Mauerbiene, sind die häufigsten Besucher von künstlichen Nisthilfen. Da sie bestehende Hohlräume für die Nestanlage nutzt, kommen ihr die Schilfhalme und in das Holz gebohrten Löcher sehr recht. Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene legt ihre Nester gerne in leeren Schneckenhäuser an. Die Nester der Mauerbienen bestehen jeweils aus hintereinander gereihten Kammern, in die jeweils ein Pollenpaket und ein Ei gelegt werden. Getrennt werden diese Kammer, je nach Art, mit Zwischenwänden aus Lehm oder – wie bei der Stahlblauen Mauerbiene – aus zerkautem Pflanzenmaterial.

In jede der Nestkammern legt das Weibchen der Gehörnten Mauerbiene einen Pollenvorrat und ein Ei – danach verschließt sie die Kammer mit Lehm und widmet sich der nächsten Brutzelle, Foto: Franziska Denner
Die Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene legt ihre Nester in leere Schneckenhäuser an, Foto: Franziska Denner

Im Sommer kann man in Blättern oft kreisrunde Löcher entdecken. Diese werden von Blattschneiderbienen verursacht, die mit diesen Pflanzenteilen ihre Nester auskleiden. Wie Mauerbienen besitzen auch sie eine Bauchbürste zum Pollensammeln. Beim Blütenbesuch strecken sie ihren leicht abgeflachten Hinterleib auf eine charakteristische Art und Weise schräg in die Höhe.

Eine Blattschneiderbiene trägt ein Blatt in ihr Nest, Foto: Wikimedia Commons/SiLencer (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BlattschneiderBiene_Megachile_centuncularis.jpg). Hinweis: Es wurden keine Änderungen am Bild vorgenommen.
Blattschneiderbienen in der Lehmbaustelle, Foto: Museumsdorf

Im Gegensatz zu den anderen Wildbienen sind die Männchen der meisten Wollbienen stark territorial: Die gelb-schwarz gezeichneten Tiere verteidigen die Nahrungspflanzen in Nähe der Nester gegen andere Blütenbesucher – auch wenn diese, wie Hummeln oder Holzbienen, um einiges größer sind als sie selbst. Ihren Namen haben die Wollbienen daher, dass sie ihre Nester mit wolligen Pflanzenfasern auskleiden. Diese erhalten sie durch Abschaben der behaarten Blätter von Königskerze oder Ziest, aber auch von stark behaarten Samen wie jenen der Weiden oder Disteln.

Eine Wollbiene sammelt die weichen Pflanzenfasern des Wollziests, Foto: Wikimedia Commons/Melissa McMasters (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:European_wool_carder_bee_(29018123047).jpg) Hinweis: Es wurden keine Änderungen am Bild vorgenommen.

Bisher hatten wir es mit Bienen zu tun, die selbst Nester anlegen und Blütenstaub für ihre Nachkommen heranschaffen. Doch ein Viertel aller bei uns lebenden Bienenarten legt – wie der Kuckuck – seine Eier in fremde Nester. Sie werden daher auch Kuckucksbienen genannt. Dazu gehören Wespenbienen, die mit ihrer Form und gelb-schwarzen Färbung sehr stark Wespen ähneln, genauso wie Blutbienen (erkennbar an ihrem roten Hinterleib) oder Kegelbienen. Kuckucksbienen finden das Nest ihrer Wirtsbiene über den Geruch, zerstören anschließend das vorhandene Ei und legen ihr eigenes hinein. Die Kuckucksbiene muss somit keinen eigenen Blütenstaub sammeln, sondern verwendet den Pollenvorrat der Wirtsbiene für ihre eigenen Nachkommen. Die Bindung an bestimmte Bienenarten als Wirtsbiene ist so stark, dass bei Vorhandensein einer Kuckucksbiene auf die Anwesenheit der Wirtsbiene geschlossen werden kann. Auch wenige Hummelarten haben sich auf eine parasitierende Lebensweise spezialisiert: Die so genannten Kuckuckshummeln suchen das Nest ihrer Wirtshummel, vertreiben oder töten die Königin und nutzen deren Arbeiterinnen, um die eigene Brut zu versorgen.

Die Riesen-Blutbiene legt ihre Eier in die Erdnester der Frühlings-Seidenbiene. Foto: Wikimedia Commons/Ali Karhu ( https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sphecodes_albilabris.jpg)

Wir sehen, dass bei unseren heimischen Bienen bereits die Ansprüche an die Nistplätze sehr vielseitig sein können. Aber auch beim Blütenbesuch sind viele Bienen oft sehr wählerisch, so dass oft nur bestimmte Pflanzenfamilien oder -gattungen für das Pollensammeln aufgesucht werden. DIE bienenfreundliche Pflanze oder DIE geeignete Nisthilfe, wie sie uns oft in Baumärkten angeboten werden, für all diese verschiedenen Bienenarten kann es somit nicht geben. Eine große Vielfalt an Nistplätzen (vor allem offene, unbewachsene Bodenstellen, aber auch Totholz, Pflanzenstängel, usw.) sowie ein breites Spektrum an – möglichst heimischen – Blütenpflanzen sind wichtige Voraussetzungen, um diese faszinierenden Insekten zu fördern. Im Gegensatz zu modernen Ortschaften bietet das Museumsdorf noch eine Vielzahl dieser Voraussetzungen. Somit können wir uns bei einem Rundgang durch das Dorf an vielen verschiedenen Bienen und ihrem Summen erfreuen.

Tipp: „Die Welt der Bienen und Wildbienen“ am Sonntag, den 5. Juni von 13-17 Uhr

„Imkerei einst und jetzt“ am 18. Juni von 13-17 Uhr, weitere Termine auf http://www.museumsdorf.at

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