Der Südmährer Hof war gefüllt mit interessierten Zuhörern.  Sie alle warteten gespannt auf die Eröffnung des neuen Gebäudes im Museumsdorf: des Kleinhäusler Hauses aus Wilfersdorf, das eine Ausstellung über die Hutterer und Täufer beherbergt.

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Dieses Haus ist damit etwas ganz besonderes. Es hat nicht nur eine außergewöhnliche Baugeschichte sondern ist ideel sogar mit der aktuellen Schau verbunden.

Das Kleinhäuslerhaus wurde im Dienstbüchl der Herrschaft Liechtenstein schon im 17. Jahrhundert erwähnt. Vorne fällt es durch das unübliche Vorkappl auf. Im kleinen Hof wartet eine weitere Überraschung. Weil es, so wie alle Kleinhäusler-Häuser, an den Rand des Dorfes gedrückt wurde, mussten seine Bewohner Teile des Stalles  in den dahinter liegenden Hang graben. Und genauso wurde es in Niedersulz wieder aufgebaut.

In diesem Haus ist nun die Ausstellung über die Hutterer zu sehen, einer Gruppe von Protestanten, die vor allem im nördlichen Weinviertel und Südmähren Zuflucht vor Verfolgung fanden. Sie richteten sich in großen Brüderhöfen ein und genossen den Schutz protestantischer Adeliger und Grundherrn. Einer davon war auch die Wilfersdorfer Familie Liechtenstein.

Bei der Eröffnungsfeier gab die Historikerin und Hutterer-Expertin Astrid von Schlachta einen kurzen und prägnanten Abriss über die Verbindung des Weinviertels zu den Hutterern, deren Nachfolger heute noch in Kanada leben.

In dieser Tradition sehen sich auch viele evangelikale Gemeinden. Viele Mitglieder davon nahmen am großen  Eröffnungsfest ebenfalls teil.

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Wie stark das Weinviertel die Gemeinschaft der Hutterer und Täufer bis heute prägt, war auch an den „Falkensteiner Liedern“ zu erkennen, von denen Alexander Basnar einen kurzen Auszug sang. Diese Lieder, die von Gefangenschaft auf Burg Falkenstein im Weinviertel und Deportation nach Triest und anschließender Flucht erzählen, werden noch heute in der Liturgie der Täufer gesungen; auch in Kanada und auf Deutsch.

Festredner und Landtagspräsident Herbert Nowohradsky meinte darum, das uns dieses Haus der Geschichte viel für die Zukunft lehren können.

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Das wurde auch gleich zelebriert.

Denn nach einem gemeinsamen Marsch vom Südmährer-Hof zum Kleinhäusler-Haus, angeführt von Musikanten in Hutterischer Tracht wurde das Haus eröffnet.

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Mit einem überkonfessionellen Gebet, angeleitet vom evangelischen Pfarrer aus Mistelbach, Jürgen Demel, dem katholischen Dechant aus Wilfersdorf, Ernst Steindl und dem Obmann des Bundes der Evangelikalen Gemeinden, Erich Röhrer wurden Haus und Ausstellung gesegnet.

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Dann führte Reinhold Eichinger, Obmann des hutterischen Geschichtsverein durch das neue Haus und erläuterte die Ausstellung, in  das sich anschließend unzählige, interessierte Menschen drängten.

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Der Tag hatte es mit den Eröffnungsgästen gut gemeint, denn es blieb noch lange sonnig um sich dann zu Wein und Brot zusammenzustellen und über den Tag zu diskutieren.

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